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Alt 06.03.2018, 00:42   #1   nach oben
polo-elmi
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Verbreiterungen bauen, z.B. Rocket Bunny

Verbreiterungen bauen...
Beispiel Nissan 180sx Rocket Bunny.
In meinem Umbau-Thread wurde darum gebeten, die Herstellung einer Verbreiterung näher zu erklären.
Ich habe mich für eine vordere Verbreiterung entschieden, da diese gerade beim Rocket Bunny im Bereich zur A-Säule hin besonders geformt ist.

1. Hier habe ich schon mal den hinteren Bereich des Radlaufs weggeschliffen.




2. Hier ist das Abdeckband, das ich benutze um die Karosserie abzudecken bevor ich darauf aufbaue.
Das ist ein ganz spezielles Abdeckband, hauchdünn, durchscheinend, sehr glatte Oberfläche...
Das Abdeckband wird glatt Stoß an Stoß nebeneinander auf die Karosse aufgeklebt, am Radlauf eingeschnitten und um die Ecke geklebt.
Zusätzlich kann man einen Streifen längs im Radkasten einkleben.






3. Hier ist mein Industrie-Sekundenkleber, mit 2 verschiedenen Füllstoffen.
Der Ber-Fix Füllstoff ist etwas grober als der von Yuki Model.
Doch dazu gleich mehr.




4. Als erstes wird die Form der Verbreiterung auf das Abdeckband aufgezeichnet.
Dann kommt der Griff ins Klo... besser in die Nähe vom Klo...
Manch einer mag jetzt denken, warum macht der den unnötigen Mehraufwand mit der Klorolle?
Ich sehe das eher als Arbeitserleichterung.
Die Rolle gibt, fest an die Kante angedrückt und mit Sekundenkleber fixiert, eine saubere Rundung für den gleich folgenden Arbeitsschritt vor.
Nebenbei kann ich mit Sekundenkleber und dem groberen Füllstoff den unteren Radlauf vorformen.






5. Ich benutze hier einen Polystyrol-Streifen als untere Formkante der Verbreiterung. (Hier 1,0mm x 4,0mm)
Wie man hier sehen kann, lege ich den Streifen auf die Klorolle auf und kann so ganz leicht den Verlauf der Radlaufkante durch Verschieben bestimmen.
Mit Sekundenkleber aufgeklebt, stelle ich im nächsten Schritt mit grobem Füllstoff und Sekundenkleber die Verbindung zur Karosserie her.
Das hält bombenfest!
(Hinweis: Ich schleife lieber hinterher die Reste der Klorolle aus dem neuen Radlauf aus, als den Polystyrol-Steifen, frei Hand, an der Karosserie rund zu formen und gleichzeitig zu versuchen ihn zum Halten zu bewegen...
Glaubt mir, der hält... aber eher an den Fingern als an der Karosserie...
Gleichzeitig müsste man hinterher den Radlauf innen spachteln und rund schleifen, weil man die runde Form, frei Hand, so nicht 100%ig hinbekommt.
Außerdem muss man die Verbreiterung, vom Verlauf der Breite her, hinterher noch spachteln und in Form schleifen.
Glaubt mir, die Klorolle macht Sinn... )










6. Nun klebe ich die beiden Formkanten vorn und hinten auf und stabilisiere mit grobem Füllstoff.
Die beiden Kanten werden noch in ihre Form geschliffen.






7. Nun wird entlang der am Anfang aufgezeichneten Form ein schmales Abdeckband geklebt.
Das weiße ist ein flexibles 2mm Kunststoff-Abdeckband.
Normalerweise nehme ich nur das blaue 3mm breite Band.
Ich habe hier aber als erste Lage das schmalere genommen, da die Verbreiterung bis fast an die obere Kotflügelkante geht und das Band so nicht über diese Kante hinweg geht und sich lösen könnte.
2 Lagen vom blauen Band kommen noch darüber.
Ich benutze das Abdeckband, um eine saubere Abschlusskante an der Verbreiterung zu formen.
Das ist quasi ein Rahmen, in den ich die Spachtelmasse einfüge.
Manch einer hat wahrscheinlich schon mal die Erfahrung gemacht, dass Polystyrol und Spachtelmasse keine richtige Verbindung eingehen wollen.
Mein Tip dazu ist folgender:
Am Anfang habe ich zum Sekundenkleber die Füllstoffe vorgestellt.
Im Fall dieser Verbreiterung nehme ich ein paar Tropfen Sekundenkleber, verreibe diese auf dem Polystyrol und bestäube den Kleber mit dem feinen Füllstoff.
Einmal kurz abgebürstet und darauf hält auch die Spachtelmasse ohne Problem.






8. Hier mal das Mischungsverhältnis von Spachtelmasse und Härter, so wie ich sie immer anmische. Wie schon mal angedeutet, alles Pi mal Daumen.




9. Hier ist die Spachtelmasse schon in die Form gegeben.
Im 2. Bild ist die Verbreiterung schon zum ersten mal geschliffen.
Drei kleine Furchen sind noch drin, die ich nochmals auffüllen muss.






10. Ich schleife immer direkt, sowie die Spachtelmasse hart ist.
Dabei ist sie noch nicht richtig ausgehärtet, was bedeutet, sie ist sehr leicht schleifbar, hat aber den Nachteil, dass das Schleifpapier sich sehr schnell zusetzt.
Hier sind ein paar meiner Werkzeuge...
Schleifklotz, vernünftiges Schleifpapier, und ganz wichtig... ein Stückchen Schleifpad, mit dem ich das Schleifpapier reinige.
Kurz damit drüber gehen und das Schleifpapier ist wieder bereit.
So hält es ewig...




11. Ich schleife den Spachtel immer direkt bis auf's Abdeckband herunter, das ich danach wie ein Reißverschluss abziehe.




12. Nun ist der Zeitpunkt da, wo ich die Verbreiterung langsam und vorsichtig abziehe.
Hier kann man am Rand gut die innere Kante erkennen, bis wo das Abdeckband gereicht hat.
Bis dort schleife ich den überstehenden Rand ab, und die Form steht.




13. Hier habe ich die Kante schon geschliffen und die 3 kleinen Furchen aufgefüllt und geschliffen, wobei wir schon beim nächsten Arbeitsschritt sind.
An dieser Stelle muss eine Trennlinie entstehen, wo beim Original die Verbreiterung aus 2 Teilen besteht.
Um das sauber zu bewerkstelligen klebe ich 2 Streifen schmales Kunststoff-Abdeckband in einem Abstand von ca. einem halben Millimeter nebeneinander.
Mit einem scharfen Skalpell ziehe ich mehrfach vorsichtig zwischen dem Abdeckband hindurch, bis die gewünschte Tiefe erreicht ist.








14. Hier ist die Verbreiterung schon mit Sekundenkleber angeklebt.
Als nächstes baue ich wieder einen Rahmen mit 3 Lagen Abdeckband.
Auf der angeschliffenen Fläche zwischen Verbreiterung und Abdeckband ziehe ich eine flache Lage Spachtelmasse auf.
Dabei wird direkt die Rundung zur Verbreiterung geformt und darauf geachtet, dass alle Kanten, wie z.B. die zum Schweller halbwegs erhalten bleibt.
Das erleichtert später das Schleifen und die Formen nachzubilden, die die originale Verbreiterung vorgibt.








15. Nun wird wieder abgedeckt und ein schmaler Spalt übriggelassen.
In diesen Spalt drücke ich mit einem schmalen Spatel Feinspachtel.
Ganz kurz antrocknen lassen und Abdeckband abziehen.
Nach ein paar Minuten leicht den Feinspachtel nachschleifen...






16. Noch schnell ein paar Löcher mit dem Handbohrer gebohrt... Fertig...!










Hier noch ein paar Tips:
Ich Schleife immer trocken um Form reinzubekommen.
Ich benutze zusätzlich eine helle Lampe, wenn ich schleife.
Je nachdem, wie ich das Teil halte, kann ich durch den Schattenwurf sehen, ob noch irgendwo Unebenheiten oder Wellen sind.
Das wichtigste Werkzeug sind aber immer noch meine Finger.
Damit fühle ich in der Regel jede Unebenheit.
Durch das Trockenschleifen kann ich direkt weiterarbeiten und neuen Spachtel auftragen.

Feinspachtel benutze ich überhaupt nicht.
Ich benutze Presto 2K-Füllspachtel.
Dieser Autospachtel ist fein genug.
Mit 180er Schleifpapier bringe ich die Grundform rein.
Mit 400er Schleife ich die finale Form.
Dann kommt die erste Schicht Füller drauf.
Mit 800er schleife ich diese.
Eine weitere Schicht Füller kommt drauf.
Zusätzlich kommt eine dünne Lage schwarz Matt (Kontrollschwarz genannt) drüber.
Wenn ich nun wieder mit 800er schleife, sehe ich wo noch Löcher, Riefen und Unebenheiten sind, da dann dort noch das Kontrollschwarz zurückbleibt.

Feinspachtel benutze ich nur um den verbleibenden minimalen Spalt zwischen Karosserie und Verbreiterung zu schließen.

Nassschleifen ist bei mir der letzte Schliff vorm Lackieren.
Dazu nehme ich 1200er Papier.


So, ich hoffe, ich kann damit dem ein oder anderen helfen und habe auch hiermit so manch einem die Überwindung genommen, sowas mal selber zu versuchen...
Versucht es einfach...
Falls ihr noch Fragen habt, hier könnt ihr die gerne stellen...
Ich helfe gerne...
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Alt 06.03.2018, 10:13   #2   nach oben
Hessebembel
Hmmm, ja, ja...
 
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Schön erklärt.

Dein Einverständnis vorausgesetzt würde ich (sobald ich a. diese lästige Erkältung los bin und b. Zeit habe) eine FAQ-Anleitung draus basteln.
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Natürlich kannst Du das wieder so machen, aber dann ist es halt wieder falsch.
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Alt 08.03.2018, 09:52   #3   nach oben
ANKRacing
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Das ist wirklich einwandfrei erklärt. Danke für die Mühe, die du dir gemacht hast!
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Alt 08.03.2018, 14:33   #4   nach oben
polo-elmi
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Gern geschehen, helfe immer wieder gerne...
Wie schon gesagt, wenn noch Fragen auftauchen... einfach fragen...

Dirk (Metallhund) fragte mich im Umbauthread:
(Hoffe, ich darf das hier nochmal wiedergeben?)
Meine Vorgehensweise ist fast gleich. Darum meine Frage.
Warum klebst Du immer vorher die Karosse ab?
Ich spachtel immer gleich direkt auf die Karo.
Die Stellen, wo gespachtelt werden soll, werden etwas angeschliffen und dann direkt drauf gespachtelt.
Ich finde, dadurch geht der Spachtel eine bessere und haltbarere Verbindung mit dem Metall oder Resin ein.
Ok, ich kann sie nicht mehr abnehmen, aber warum auch?
Ich verwende 2K Feinspachtel von Nigrin.

Meine Antwort darauf:
Ich nehme die Verbreiterung nach dem ersten Auftrag wieder ab, um sie einfacher in die finale Form zu schleifen.
In der Hand sehe ich besser, ob sie wirklich eine fließende Form hat, keine Welle mehr drin ist, gleichmäßig dick ist, etc.
Als Einzelteil kann ich sie besser nacharbeiten, das Nachspachteln und Modellieren ist hundert mal einfacher, wenn du das Teil alleine in der Hand hast.
Das in-Form-Schleifen ist einfacher.
Schau dir in der Anleitung mal Punkt 12 an.
Da siehst du die Klebekante, die das Abdeckband erzeugt hat.
Ich kann das überstehende Material ganz easy weg- und rundschleifen und habe eine perfekte Kante.
Alleine diese Kante so hinzubekommen würde an der Karosse ewig dauern, hier nur etwa 1 Minute.
Was aber am wichtigsten ist...
wenn das eine Resinkarosserie ist, dann hast du beim Bearbeiten, beispielsweise dieser Kante, das Problem, dass du mal ganz schnell die Karosserie mit weggeschliffen hast.
Dann darfst du da auch wieder spachteln und schleifen.
An einer Diecast-Karosserie passiert das natürlich nicht so schnell.
Für eine solche abnehmbare Verbreiterung brauche ich etwa 2-3 Stunden.
Um eine fest angespachtelte genauso hinzukriegen, brauche ich fast die doppelte Zeit.
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