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Alt 01.07.2018, 21:52   #641   nach oben
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Und wieder sensationell interessante Infos und tolle Modelle
Dein Beitrag hier spart jedes Formel 1 - Lexikon

Danke für all Deine Mühe die Du dir immer machst und Grüsse
Erwin
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Alt 01.07.2018, 22:48   #642   nach oben
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Ein herzliches Dankeschön meinerseits für deine Motivation -
Keep On Racing an's schweizerische Forums-Inventar ...

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Alt 06.07.2018, 21:53   #643   nach oben
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Every model tells a story.....



SPARK-Modell / Harald Ertl / Hesketh 308 /GP Deutschland 1975


Harald Ertl's Formel 1 - Debüt


Harald Ertl wird 1948 in Zell am See geboren und besitzt damit zwar die österreichische Staatsbürgerschaft,
fährt aber ab 1974 mit einer deutschen Fahrerlizenz seine Rennen.
Erfolgreich nimmt er teil am Formel-V-Europapokal, der Formel 3, der Tourenwagen-Europameisterschaft,
der Deutsche Automobil-Rundstrecken-Meisterschaft und der Formel 2.
Folgerichtig entschließt er sich 1975, den Schritt in die Königsklasse zu wagen....

Aber wie kommt man ohne Geld und ohne große Beziehungen in die Formel 1 ?

Erich Zakowski, der Chef von "ZAKSPEED" hat im Früjahr 1975 in Erfahrung gebracht, dass Martino Finotto,
der zusammen mit Hans Heyer einen Zakspeed Ford in der Tourenwagen-EM pilotiert,
zwei Formel 1 - Rennwagen in seiner privaten Garage geparkt hat...

Finotto, ein italienischer Adeliger, Industrieller und Rennstallbesitzer,
hat schon Ende 1973 zwei ältere Formel-1-Fahrzeuge vom Typ Brabham BT42 gekauft und
will mit ihnen 1974 selbst in der Formel 1 antreten.
Nach einer Testfahrt im November 1973 kommt er jedoch schnell zu der Einsicht,
dass die Formel 1 wohl doch nichts für ihn sei und bietet daraufhin anderen Rennfahrern seine Autos an...
Auch Erich Zakowski erhält eine Anfrage, denn Martino möchte 1975 seine F1-Renner
auch einmal beim "Großen Preis von Deutschland" auf dem Nürburgring eingesetzt sehen..

Ertl soll bis August das Finanzielle regeln und "Zak" das Technische.
Doch Zakowski und Finotto bekommen kurze Zeit später "kalte Füße" und das Projekt wird wieder gecancelt.
Harald Ertl hat jedoch mit Hilfe seines langjährigen Freundes Jochen von Osterroth, einem Journalisten des Motorsportmagazins "Rallye racing",
schon ein 8000 Pfund-Sponsorenpaket zusammen:
Hauptsponsor war die Warsteiner Brauerei, des weiteren sind auch Fichtel & Sachs, Goodyear,
Shell, die Creole-Bekleidung, sowie der AvD mit "im Boot".

Hans Ertl hat Benzin gerochen und nun muss also unbedingt ein Auto her...





Dann kommt plötzlich wenige Wochen vor dem Deutschland-Grand Prix ein heißer Tipp:
"Setzt euch mit Lord Hesketh in Verbindung...
seine Lordschaft verleiht seinen Hesketh 308 für nur 8000 Pfund für einen Grand Prix !"

Harald und Jochen rotieren, denn dies scheint die Chance des Jahrhunderts,
doch noch am Nürburgring zu starten !
Ertl verhandelt mit Hesketh-Mitgründer und Team Manager "Bubbles" Horsley...
der kurze Zeit später eine weitere Hiobsbotschaft verkündet:
"Wegen der momentanen Motorknappheit können wir euch nur das Auto geben -
aber keinen Motor !"

Seine Lordschaft hat mittlerweile auch seine Leihgebühr auf 15.000 Pfund verdoppelt !!
Harald muss zurückstecken und das ehrgeizige Formel 1-Projekt droht erneut zu scheitern ...

Jetzt jedoch aufzugeben, ist für Ertl keine Option -
zunächst macht er sich auf, ein günstiges Angebot bei Williams und Surtees einzuholen,
aber dann ergibt sich noch eine andere Variante...
Jochen von Osterroth, der "getreue Ekkehard", findet überraschend die Spur eines anderen Hesketh..
ein "308", mit dem Alan Jones das Rennen in Anderstorp 1975 gefahren ist.

Kompliziert ist eigentlich nur die Suche nach dem derzeitigen Besitzer,
denn Whisky-Erbe und Rennstallbesitzer Rob Walker und ein gewisser Harry Stiller
haben den Boliden mittlerweile auch weiterverkauft.

Der F1-Rennwagen ist mittlerweile im Besitz von Bernard Charles "Bernie" Ecclestone,
der ihn wiederum vom Londoner Autohändler Monkey Brown gekauft hat.



Ecclestone kann Druck ausüben, weil mittlerweile große Nachfrage an seinem Boliden herrscht und
der heutige Formel-1 Boss will Ertl nur mit Bargeld sehen:
"Leihen kann ich euch das Auto nicht - aber verkaufen !"

120.000 D-Mark soll Bernie's Hesketh 308 kosten-damals eine Unmenge an Geld.
Aber Ertl lässt seine Beziehungen spielen und kann sich kurzfristig die riesige Summe
von einem nicht genannten Mannheimer Industriellen borgen....

Jochen Osterroth fliegt mit dem Koffer voller Geld nach London:
„Bernie zählte jeden einzelnen Geldschein durch. Ich kam mir vor wie im Krimi.“
Ecclestone ist mit dem Deal zufrieden und äußert zum Abschied noch ganz nebenbei:
"Okay - jetzt müsst ihr das Auto nur noch rechtzeitig nach Deutschland kriegen !!"

10 Tage vor dem Rennen auf dem Nürburgring schickt die Warsteiner Brauerei daraufhin einen LKW nach England,
lässt den Rennwagen frisch umlackieren und transportiert den Hesketh sogar noch in die Eifel....



Kurz vor dem ersten Training ergibt sich das nächste Problem:
keiner kriegt den Rennwagen von der Ladefläche des Warsteiner-LKW's !
Also werden in Hatzenbach heimlich ein paar Bäume abgesägt,
daraus wird eine Rampe gebastelt und zehn Minuten (!!!) vor Trainingsbeginn steht der Hesketh
wirklich und leibhaftig im Fahrerlager der "Grünen Hölle" ...

Ein Auto, zwei Motoren, geliehene "Sommer"-Reifen und Felgen, aber keinen Mechaniker -
das Ertl-Chaosrennen hatte begonnen !




Das Wetter in der Eifel ist auch im August 1975 unberechenbar und schon im Training drohen Gewitter.
Krampfhaft versucht Ertl Regenreifen zu bekommen...
Max Mosley, damals noch im March-Team, bietet dem Österreicher dann doch großzügig Regenpneus an -
Bargeld ist jedoch wie immer knapp und man einigt sich schließlich im Tausch gegen ein paar Kisten Bier.
Dank Warsteiner stellt diese Option mal ausnahmsweise kein Problem für das 1-Mann-Team dar...

Aber es kommt noch besser -
Ali Strasser, ehemals Chefmechaniker bei Surtees, taucht auf und betreut den Ertl-Hesketh.
„Und am Telefon meldete sich auch John Wingnut, der schon bei Hexagon-Brabham geschraubt hatte“,
erinnert sich Jochen Von Osterroth an einen Engländer, der - als in den Boxen schon die Motoren laufen -
von "Bubbles" Horsley vorbeigeschickt wird.

Harald begibt sich rechtzeitig zum ersten Freitags-Training auf die 22,83 Kilometer lange Strecke und kommt voll in den angekündigten Regenschauer -
mit 32 Sekunden hinter dem Trainingsschnellsten Niki Lauda "platziert" sich Ertl im letzten Drittel des Feldes.
Bei herrlichem Sonnenschein kann er am Samstag seine Rundenzeit um 10 Sekunden verkürzen
und steht für das Rennen in der vorletzten Startreihe - diesmal "nur" 20 Sekunden hinter Pole-Mann Niki Lauda im Ferrari ..




Insgesamt 300.000 Zuschauer werden am Renn-Wochenende gezählt,
welche die 25 Rennwagen sehen wollen -
auch am Sonntag herrscht am Ring herrliches Sommerwetter.
Harald Ertl startet verblüffend und kann gleich in den ersten der 14 Runden drei, vier Autos überholen.

Er verwechselt Zündungsschalter und Benzinpumpenschalter,
wodurch er den Cosworth-Motor beinahe abwürgt...
fliegt in der Südkehre fast in die Landschaft, weil der Gaszug klemmt...
auch die Lenkung hat mittlerweile gefährlich großes Spiel...
die Reifen und Bremsen sind kurz vor Ende der Hitzeschlacht auch komplett hinüber-
aber Harald Ertl erreicht nach 1 Stunde, 48 Minuten und 55 Sekunden als Achtplatzierter das Ziel !




Der Sieger: Carlos Reutemann auf Brabham BT44B / IXO / 1:43

Mit 7:41,9 min. hinter dem Gewinner Carlos Reutemann auf Brabham BT 44 B überquert der goldene Hesketh als Vorletzter die Ziellinie...
16 Fahrer mussten aufgeben - Ertl fühlt sich zu Recht auch als ein Sieger !

Noch zweimal tritt der sympathische Österreicher mit dem "Rübezahl-Bart" in der laufenden Saison 1975 an:
In Zeltweg beendet ein Zündungsdefekt in Runde 26 sein Rennen,
aber schon in Monza kommt er wieder in's Ziel -
Platz 9 bringt zwar wieder keine WM-Zähler, aber die Teilnahme zählt...

Nach vier ereignisreichen, aber leider erfolglosen Jahren in der Formel 1 (1975 bis 1980/ Pause 1979)
verunglückt der Österreicher am 7. April 1982 mit dem Flugzeug auf einem Ferienflug nach Sylt
wegen eines Triebwerksdefekts bei Gießen infolge einer Vereisung...


Mein Originalautogramm von Harald Ertl


SPARK-Modell / Harald Ertl / Hesketh 308E / GP Belgien 1977


SPARK-Modell / Harald Ertl / Ensign N 177 / GP Deutschland 1978


Aus dem "Formel 1-Archiv" des Weltbild-Verlags


Geändert von Engineer (07.07.2018 um 12:48 Uhr)
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Alt 14.07.2018, 20:58   #644   nach oben
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Wieder ein überaus interessanter Rückblick in die "guten alten Zeiten" des Motorsports. "Gut" deswegen weil Technik und ständig wechselnde Reglemente noch nicht das Geschehen bestimmten.
Inspiriert durch deinen tollen Thread hab ich mir vor einiger Zeit einen Tyrell P34 (in 1:18) gegönnt....

Ich freue mich immer hier neue Infos zu sehen.
Danke und Gruss
Erwin
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