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Alt 05.08.2018, 12:36   #624   nach oben
Engineer
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Jack Brabham 1962

Großer Preis von Deutschland 1962 -
Jack Brabham fährt erstmalig in einen Brabham




SPARK-Modell / Jack Brabham / Lotus 24 / GP Monaco 1962



SPARK-Modell / Jack Brabham / Brabham BT3 / GP Deutschland 1962


Nach einigen nationalen Erfolgen in seiner Heimat Australien beschließt der 28jährige Jack Brabham im Jahr 1957,
den Rennsport professionell anzugehen.
Er kauft privat einen Cooper-Bristol-Rennwagen und findet auch schnell ein paar kleine Sponsoren -
sehr zum Ärger der australischen Sporthoheit.
Sie verbieten Brabham, die Namen seiner Geldgeber auf dem Rennwagen zu platzieren und Jack erkennt schnell,
dass ohne finanziellen Hintergrund das Motorsport-Leben sehr schwer werden wird.
Er kontaktiert den Königlich Britischen Automobil Club und geht 1955 nach England.

Ab 1957 fährt er für den Cooper-Rennstall und wird zweimal auf John Cooper's Wagen Weltmeister.
Zusammen mit seinem Freund, dem Ex-Rennfahrer und Ingenieur Ronald "Ron" Tauranac, hat er schon 1960 eine eigene Werkstatt für Triumph-Wagen eröffnet
und langsam reift bei beiden Männern der Entschluss, ein Formel 1- Team zu gründen.
Doch die Motor Racing Development Company muss ein großes Geheimnis bleiben, da Brabham noch für John Cooper's Team fährt.
Ende 1961 trägt sich Jack für die 62er Formel 1-WM unter seinem Namen ein und verlässt Cooper.
Da jedoch die Planung des eigenen Rennwagens erst recht spät praktisch umgesetzt werden kann,
wird dieser nicht rechtzeitig zu Beginn der Rennsaison 1962 am 20.Mai in Zandvoort einsatzbereit sein....









Jack Brabham will nicht bis zur Fertigstellung seines Wagens warten und
kauft sich privat kurzerhand einen Lotus 24.
Er lackiert diesen um und wird die ersten WM-Läufe in diesem "Leihwagen" bestreiten....
Brabham erzielt in Zandvoort mit dem Lotus auf Anhieb die viertbeste Trainingszeit,
kollidiert beim Rennen jedoch mit dem Ferrari von Ricardo Rodriguez.
Er gerät von der Strecke und beschädigt seinen Wagen so stark,
dass er aufgeben muss.

Beim nächsten Rennen, dem "Großen Preis von Monaco" am 3.Juni 1962 in Monte Carlo,
hat Jack ähnliches Pech.
Aus der 3.Reihe gestartet, kämpft er im letzten Drittel des Rennens erbittert mit Phil Hill um den dritten Platz.
Der Ferrari des Amerikaners kommt in der 76. von 100 Runden in der Casino-Kurve in's Schleudern
und der dicht folgende Jack Brabham muss hart abbremsen, um eine Berührung zu vermeiden.
Der Lotus rauscht dabei in eine Grünanlage, kommt aber rechtzeitig vor der Kollision mit einer Hauswand zum Stehen...
Der Motor des Lotus läuft jedoch noch und Jack Brabham schiebt (!!) sein Arbeitsgerät wieder auf die Strecke -
zwei Runden später versagt jedoch seine Motorkühlung aufgrund einer ramponierten Wasserleitung
und der Australier muss aufgeben.





Den belgischen Grand Prix in Spa-Francorchamps beendet Jack erstmalig in den WM-Punkten und wird Sechster.
Noch zwei Einsätze müssen mit dem Lotus absolviert werden,
bevor der eigene Wagen fertig ist:
in Reims/Frankreich bricht nach einem "Ausritt" in's Kiesbett der Stoßdämpfer,
aber beim britischen Grand Prix in Aintree sammelt Jack mit einem fünften Platz weitere Punkte.


Die (damals noch) kleine Welt der Formel 1 erwartet die Ankunft des Neuankömmlings mit fiebernder Spannung -
zum ersten mal in der Geschichte der Meisterschaft hat sich ein Pilot in das Abenteuer gestürzt,
gleichzeitig Fahrer und Teambesitzer zu sein.

Ron Tauranac hat ein konventionelles Auto ohne experimentelle Neuerungen entworfen:
der Wagen besitzt einen steifen Gitterrohr-Rahmen, Einzelradaufhängung mit außenliegenden Federbeinen und außenliegende Bremsen.
Neben dem Fahrer und hinter seinem Sitz befinden sich die Kraftstofftanks -
ein vierter Tank ist oberhalb der Knie des Piloten (!!) eingebaut, so dass sich eine Gesamtkapazität an Kraftstoff von 122,7 Litern ergibt.

Der Coventry Climax-V8-Motor überträgt seine 170 PS auf ein Colotti-Francis-Sechsgang-Getriebe
und besitzt - wie damals - üblich Weber-Vergaser sowie eine Lucas-Transistorzündung.
Das Stahlrohr-Spaceframe-Chassis des Brabham BT3 (BT für Brabham-Tauranac) ist mit einer Fiberglas-Karosserie verkleidet,
die in einem hellen türkisfarbenen Farbton mit einem metallischen Goldstreifen in der Mitte lackiert ist.

Im Gegensatz zum Lotus sind auch die Innenmaße des BT3 vergleichsweise komfortabel und
mit Öl- und Wasserkühlungsrohren außerhalb des Cockpits versehen.
Somit kann die entstehende Hitze des Motors abgeleitet und auf einem erträglichen Niveau gehalten werden.





Der Brabham-Formel 1-Rennwagen gibt sein Debüt am ersten August-Wochenende beim
"Großen Preis von Deutschland" auf dem 22,8 Kilometer langen Nürburgring
und die Schöpfer des BT3 haben sich somit für das erste Rennen gleich eine der schwierigsten "Teststrecken" ausgesucht ...

Nach dem Abschluss-Training bei typischem Eifel-Wetter muss sich Jack Brabham nur mit einem ungewohnten Platz 26
aus der vorletzten Startreihe zufriedengeben.
Jack hat dauernd mit Motorschwierigkeiten zu kämpfen und
die Ursache kann erst nach Ende des Trainings gefunden bzw. behoben werden.

Jedoch ereignet sich während des Trainings auf der Nordschleife ein Zwischenfall,
der in der Geschichte der Formel 1 bisher einzigartig ist:
im Streckenabschnitt Fuchsröhre verliert Carel de Beaufort eine auf dem Heck seines Porsche montierte 16-mm-Filmkamera.
Am Steuer seines neuen BRM rodelt Graham Hill über die Trümmer und gerät von der Piste, aber es kommt noch schlimmer -
auf dem Motoröl des aufgeschlitzten BRM kreiselt auch Tony Maggs' Cooper vom Asphalt.
Beide Fahrer überstehen den Unfall unverletzt; ihre Fahrzeuge jedoch sind stark beschädigt.
Die Pole-Position erreicht Dan Gurney auf Porsche; dicht gefolgt von Graham Hill (nun im Vorjahres-BRM) und Jim Clark auf Lotus.

Am Renn-Sonntag gibt es schwere Regenfälle, die die Strecke unbefahrbar machen und die Rennleitung entscheidet sich,
den Start um mehr als eine Stunde zu verschieben.
Als der Grand Prix dann nach einer Erkundungsrunde um 15:15 Uhr startet,
ist die Strecke noch immer nass und weitere Regenfälle setzen ein.
Für Jack Brabham ist das Rennen schon nach neun von 15 Runden zu Ende:
an 10.Stelle liegend, muss er wegen eines Bruchs des Gasgestänges aufgeben.
Währenddessen liefern sich Graham Hill (BRM), Dan Gurney (Porsche) und John Surtees (Lola) einen sensationellen Dreikampf -
nur insgesamt 4,4 Sekunden trennen das Trio nach über 2,5 Stunden Fahrzeit im Ziel.


Apropos verlorene Kamera - 33 Jahre später ereignet sich Folgendes in Monza:
Jean Alesi verliert beim Italien-GP 1995 zwischen der "Curva Grande" und der Roggia-Schikane auch eine TV-Kamera.
Das Teil fliegt dem Ferrari-Teamkollegen Gerhard Berger in die Vorderradaufhängung und zersägt die Querlenker wie mit einem Messer.
Berger kommt von der Strecke ab, blieb aber unverletzt....






Nun müssen die Erkenntnisse, die Ron und Jack durch das Rennen in der "Grünen Hölle" gewonnen haben, ausgewertet werden
und man beschließt, beim nächsten Rennen in Monza nicht zu starten.

Beim vorletzten Lauf in Watkins Glen läuft es dann auch zur allgemeinen Zufriedenheit:
Brabham startet aus der 3.Reihe und fährt nur knapp am "Treppchen" vorbei.
Mit Platz vier können weitere wertvolle WM-Punkte für das junge Team geholt werden...
Erst am 29.Dezember startet nach fast zweimonatiger Pause das F1-Starterfeld ein letztes Mal für die Saison 1962
und auch in East London/Südafrika fährt Jack Brabham einen vierten Platz ein.

Damit erreicht Jack Brabham mit 10 WM-Punkten 1962 zwar nur einen zehnten Platz in der Formel 1-Endwertung,
aber die erste Hürde auf dem Weg zum erfolgreichen eigenen Team war genommen..





Mein Original-Autogramm





John Arthur "Jack" Brabham
* 2. April 1926 / † 19. Mai 2014

Pilot eigener Wagen von 1962 bis 1970:
BT 3 bis BT 33

Geändert von Engineer (09.08.2018 um 22:29 Uhr)
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