Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 26.01.2018, 16:15   #1   nach oben
911jp
Porsche Patient
 
Benutzerbild von 911jp
 
Registriert seit: 14.05.2010
Beiträge: 2.119
Mit dickem Hintern im Rallyeeinsatz - UH Renault 5 TURBO "Backenturbo"

Nachdem ich ja gerade die beiden neuen Renault 5 Modelle von Norev vorgestellt habe und Sil zufällig zeitgleich einen schlanken Rallye R5 gezeigt hat, dachte ich, es wäre nett noch einen Backenturbo dazuzuholen.



Im Jahr 1977 begann Renault mit dem Bau eines Autos für die Rückkehr in die Rallye-Weltmeisterschaft. Seit 1973 waren sie nicht mehr dabei - seit dem Jahr, in dem der Titel mit der kultigen Alpine-Renault A110 gewonnen wurde.
Da der Großteil des 77er Motorsport-Budgets aber bereits in Renaults Formel-1-Bemühungen sickerte, wurde die Entscheidung getroffen, das neue Rallye-Auto auf der Basis des kleinen, günstigen Renault 5 Alpine zu entwickeln.
Zugunsten eines besseres Handlings wurde das Layout Frontmotor/Frontantrieb des Modells abgeändert in die Anordnung: Mittelmotor/Heckantrieb, wo der Motor und das Getriebe in Längsrichtung direkt hinter den Vordersitzen angeordnet wurde.
Um die Kosten für den Bau eines separaten Chassis zu vermeiden, wurde die Entscheidung getroffen, die grundlegende Plattform des Renault 5 beizubehalten, aber den hinteren Teil des Fahrzeugchassis soweit zu verstärken, dass es den neuen Anforderungen - sprich Anordnung der Aggregate/Gewichtsverteilung - gewachsen war.

Um das ganze auch optisch halbwegs ansehnlich aussehen zu lassen, fragte Jean Terramorsi, Vizepräsident der Renaultproduktion, diesbezüglich bei seinem bei Bertone arbeitenden Freund an, ob sie etwas zeichnen könnten.
Und die konnten. Das Design wurde vom großen Meister Marcello Gandini persönlich geliefert

Motorseitig wurde dann der 1,4 Liter Vierzylinder mit Bosch K-Jetronic Kraftstoffeinspritzung, einer Transistorzündung und einem fetten Einzel Garrett T3 Turbolader inkl. Air to Air Ladeluftkühler ausgestattet.
Das Ergebnis waren beeindruckende 160PS in der Strassenverson und nocheinmal deutlich mehr in der Rennversion. Die Werkswagen hatten ungefähr 250PS.
Auch fahrwerksseitig wurde kräftig aufgerüstet: vorne wurde zwar die Doppelquerlenkerachse beibehalten, aber an der Hinterachse kam die Aufhängung aus der Alpine A310 zum Einsatz - in Verbindung mit fetten 225er Michelin Walzen.
Ein Fahr- und vor allem Kurvenverhalten eines Go-Karts war das Ergebnis, die reinen Fahrwerte beeindruckend: knapp unter 7 sec auf 100km/H und etwas über 200km/h Spitze - für die Strassenverison.

Dies wurde aber auch durch die umfangreiche Gewichtsreduktion ermöglicht:
Die Türen, die Heckklappe und das Dach des R5 Turbo waren aus Aluminium gefertigt, die Kotflügel und Stossfänger aus Polyester und beim Dachspoiler und den umlaufenden Regenrinnen wurde Polyurethanschaum verwendet.
Schließlich wurden noch die herkömmlichen Fenterscheiben durch Dünnglas ersetzt. Endeffekt dieser (ausgesprochen teuren) Radikalkur: 970kg mit vollen Tanks.
Und das waren immerhin mächtige 93Liter Dinger, die für optimale Gewichtsverteilung unter den beiden Sitzen montiert wurden.

___

UH/Universal Hobbies hat diesem tollen Vorbild ja schon vor vielen Jahren eine ganz wunderbare Miniatur gewidmet.
Die Umsetzung war bereits damals für die angepeilte Preisklasse einzigartig und kann auch heute noch begeistern, selbst wenn einige Detaillösungen nun nicht mehr ganz auf aktuellem Stand sind.
Auch stimmt natürlich aufgrund der ungefähr 15(!) erhältlichen, verschiedenen Rennversionen nicht immer jedes kleinste Detail (Leuchtenhalter, Blenden usw), tut aber der Gesamteindruck wirklich keinen Abbruch.

Ich glaube GUlf hat das schon einmal iwo gesagt - die UH R5 Turbos sind überhaupt ein paar der besten DieCast Modelle ever - das Preis/Leisungsverhältnis betreffend

Für die Vorstellung habe ich nicht eine der wohl bekanntesten Versionen im gelb/weiß/schwarzen elf-Gewand (Sieger Monte 81 u. TdC 82) sondern, passend zum Rallye Otto von Sil, einen schönen Calberson Backenturbo gewählt.

Die Calberson-Livery ist im Rallyebereich überhaupt eine der mir liebsten, die Farben sprechen mich stark an und sind sehr schön passend auf die Autos gebracht.
UH bot zwei attraktive Modelle in dieser Aufmachung an, den 1980 TdC von Ragnotti oder den 1981 Monte Carlo von Saby (den ich hier zeige)
Für Sammler von Siegerfahrzeugen sind aber beide nichts, denn beide sind in beiden Rennen ausgefallen. Ragnotti mit Elektrikproblemen und Saby hatte Pech mit einem Unfall.
Mir sind aber Endwertungen ziemlich egal, sondern die Fahrer ein bisschen und die Autos und ihr Erscheinungsbild viel wichtiger

Ich hoffe der kleine Dicke gefällt euch




















Geändert von 911jp (26.01.2018 um 16:28 Uhr)
911jp ist offline   Mit Zitat antworten
Folgende 11 Benutzer sagen Danke zu 911jp für den nützlichen Beitrag: